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WEBTIMUM Interview über Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern

Es gab erneut ein Interview im Hause WEBTIMUM. Im Rahmen ihrer Masterarbeit beschäftigte sich Anne Pohle mit den Strukturen und der Bedeutung von Netzwerken in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern.

Anne Pohle im Interview mit Elisabeth Möbius von WEBTIMUM

Was kann man als (frischgebackener) Unternehmer tun und an welchen Veranstaltungen sollte man unbedingt teilnehmen, um sich in der Region Mecklenburg-Vorpommern besser zu vernetzen?

Da WEBTIMUM einer der Mitorganisatoren für das Netzwerkevents ‚PitchLab‘ ist, hatten wir die Ehre, von der lieben Anne der Universität Stralsund interviewt zu werden.
Wer sich für ebenfalls für die Vernetzung in unserer schönen Region MV interessiert, für den gibt es hier ein paar Einblicke.

Im folgenden Interview erfahrt ihr u. a., welche Netzwerke es in Mecklenburg-Vorpommern gibt – insbesondere mehr über Pitchlab und weshalb diese Netzwerke für Unternehmen von Bedeutung sind.

Viel Spaß beim Lesen!

Interview über Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern bei WEBTIMUM

Es wäre schön, wenn du nochmal kurz eurer Netzwerk „Pitchlab“ vorstellen könntest.

In Greifswald organisieren wir zu dritt das Pitchlab-Event, was 3-4 Mal im Jahr bei uns stattfindet (Katja Wolter, Robert Sington und ich). Gegründet bzw. initiiert hat es ursprünglich Maik Herfurth aus Rostock. Dort gab es die ersten Pitchlab-Treffen. Er hatte damals schon festgestellt, dass es viele Leute gibt, die etwas bewegen wollen, die sich aber untereinander nicht so gut kennen oder noch nicht vernetzt haben. Deshalb hat er gesagt, holt er die Leute „mal alle an einen Tisch“.

Genau das wollen wir in Greifswald auch. Es treten immer drei Speaker auf, die in 10 bis 15 Minuten ein bisschen von ihrem Unternehmer-Alltag erzählen oder ihre Erfolgsgeschichten mit uns teilen. Auf diese Weise können die anderen Teilnehmer Inspirationen für sich mitnehmen und – das aller wichtigste – sich untereinander vernetzen.
Nach den spannenden Vorträgen können die Teilnehmer untereinander in Kontakt treten, aber genauso auch mit den Speakern.

Und ihr setzt die Veranstaltung dann auch immer unter ein bestimmtes Thema?

Nein, nicht pauschal – es ergibt sich eigentlich immer eine bunte Mischung. Wir versuchen, dass wir verschiedene Themen aufgreifen und sich damit die unterschiedlichsten Leute angesprochen fühlen.

Du hast gesagt, ihr wollt, dass die Leute sich vernetzen und daraus vielleicht Kooperationen entstehen. Geht es dann auch darum, den Ort, also Greifswald und Umgebung, bekannter zu machen?

Veranstaltungsbild von PitchLab in MVIch glaube, in erster Linie ist das, was wir in Mecklenburg-Vorpommern brauchen, erst einmal die Kenntnis darüber, wer hier überhaupt tätig ist. Die Herausforderung an Mecklenburg-Vorpommern ist, dass es ein so großes Land ist. Gerade in den kleineren Orten passiert ganz viel, wovon man in anderen Orten leider gar nichts mitbekommt.

Dafür sind die Online-Medien ganz hilfreich, um eine bessere Kommunikation zu unterstützen und sich nicht nur im echten Leben zu vernetzen. Es ist wichtig, sie alle aufeinander treffen zu lassen, damit sie wissen „Ach Mensch, den gibts auch“.

Wir haben das jedes Mal, dass selbst Leute aus Greifswald da sind, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat. Im persönlichen Gespräch lernt man sich erst einmal kennen und weiß, wen man z. B. empfehlen kann, wenn man selbst als Unternehmen seinem Kunden nicht weiterhelfen kann.

Wenn durch Pitchlab Kooperationen entstehen, ist das natürlich die Crème de la Crème.

Welchen Nutzen ziehst du für dich aus den Netzwerken? Dafür, dass du das mitveranstaltest?

Mir macht es unheimlich Spaß, solche Events zu veranstalten. Das habe ich schon immer sehr gerne gemacht und für mich persönlich ist es einfach eine Bereicherung, diese Abende gemeinsam mit Gleichgesinnten zu verbringen.

Auch, wenn das oft viel zusätzlichen Stress bedeutet und man sich kurz vorher immer mal wieder fragt, warum man das überhaupt alles macht … Aber das positive Feedback der Teilnehmer und die Präsenz in den lokalen Medien machen den Stress wieder wett.

Bringt Pitchlab deinem Unternehmen noch ein bisschen Werbung? Entstehen bei dir persönlich Anreize für Projekte oder Ideen?

3 PitchLab Veranstalter, November 2017 in Greifswald

Team Pitchlab Greifswald

Man nimmt auf jeden Fall jedes Mal neue Impulse mit – alleine durch die immer unterschiedlichen Leute, die präsentieren. Dazu kommen die Gespräche mit den Teilnehmern – dadurch erhält man selbst oft Anreize, was man anders oder neu machen könnte. Außerdem kann man sich gut über aktuelle Probleme austauschen und erhält den einen oder anderen neuen Lösungsansatz.

Ein paar Mal habe ich bereits neue Kunden durch Veranstaltungen gewonnen. Sie sagten dann „Ja wir haben uns vor einem halben Jahr auf der und der Veranstaltung gesehen“. Sowas ergibt sich dann auch.

Und welche Erfahrungen habt ihr sowohl positiv als auch negativ für euch selbst festgestellt?

Positiv habe ich ja gerade schon ein wenig erzählt: Es ist eine große Bereicherung für jeden persönlich und man lernt viele neue Themen kennen. Gerade bei den letzten beiden Pitchlabs hatten wir es auch, dass die Speaker ein bisschen von den Schattenseiten ihrer Karriere erzählt haben. Das ist ja normalerweise ein Tabu-Thema, über das keiner wirklich gerne spricht, z. B.: Was ist schief gelaufen?

Ich glaube, genau so etwas nimmt vielen die Angst. Es verdeutlicht, dass es in Ordnung ist, auch eine schlechtere Zeit zu haben. Das sind wertvolle Erfahrungswerte der anderen, die man mitnimmt.

Teilweise gibt es auch „exklusive“ Informationen von den Unternehmen, die teilweise sehr intime Sachen erzählen – wie sie z. B. woran sie gerade (neues) arbeiten. Das ist schon sehr einzigartig an diesen Netzwerktreffen – speziell bei Pitchlab.

Als negativen Aspekt kann man nennen, dass es ein ordentlicher Zeitaufwand ist, wenn man solche Events plant. Das wissen Außenstehende oft gar nicht. Viele denken auch, dass wir Geld dafür bekommen. Wir machen das tatsächlich alles ehrenamtlich: Speaker und Räumlichkeiten organisieren, die Werbetrommel rühren, dafür sorgen, dass am Abend alles glatt läuft und einiges mehr.
Dennoch muss man als Teilnehmer natürlich ebenfalls Zeit mitbringen. In der Zeit auf dem Event kann man nicht arbeiten und das ist sicher auch ein Grund, warum einige die Veranstaltung bisher nicht wahrnehmen. Diese Leute sind dann so in ihrem Alltagstrott gefangen und arbeiten lieber alles ab. Häufig hört man: „Nee für so ein Treffen habe ich jetzt keine Zeit“.
Dabei hat es jedes Mal einen echten Mehrwert. Und deshalb lohnt es sich, sich aufzurappeln und sich unter die Leute zu mischen.

Ja auf jeden Fall. Das muss ich auch sagen. Immer, wenn ich jetzt zu den verschiedenen Treffen gefahren bin, war es der Wahnsinn, welche Leute man da sieht und hört und kennenlernt. Das ist immer echt schön.

Ja, die würde man sonst vielleicht gar nicht kennenlernen!

Gerade auch bei den KreativLabs – zu welchen Orten man da fährt, die man gar nicht kennt hier. Welche Bedeutung haben die Netzwerke für die Region Greifswald und Umgebung?

Vor allem in Greifswald fand ich das sehr spannend, dass ungefähr mit der Zeit, als ich mich vor ca. 2,5 Jahren selbstständig gemacht habe, viele Netzwerke entstanden sind. Vorher gab es hier, glaube ich, fast gar keine Vernetzung – zumindest nicht so öffentlich. Jeder hat für sich gearbeitet und keiner wusste etwas von dem anderen.

Gruppe von Menschen arbeitet Ideen aus

Wir hier in der eher wirtschaftsschwachen Region sollten allerdings alle an einem Strang ziehen. Und das bringt für die Region auch viel. Wenn gerade mittelständische Unternehmen mitbekommen, welche Leute es hier gibt, greifen sie hoffentlich lieber auf die zurück und nicht auf Leute aus Süd- oder Westdeutschland.

Netzwerke wie KreativLab oder Pitchlab fördern den Gemeinschaftsgedanken auch hier in der Region. Ich habe so das Gefühl, dass der Trend immer mehr zu diesem Regionalpatriotismus geht und wir uns alle gegenseitig unterstützen wollen.

Meinst du, es wird aufgrund der steigenden Netzwerkzahl auch attraktiver, hierher zu ziehen oder ein Unternehmen zu gründen?

Unmittelbar wegen der Netzwerke, weiß ich nicht, ob das jemanden motivieren würde, hierher zu ziehen. Aber eventuell, weil wir das auch über die Online-Medien präsent zeigen. Dadurch bekommen vielleicht auch überregional Leute mit, was es hier für coole Unternehmer und Gründer gibt und werden dadurch vielleicht offener.

Also ist es auch ein Puzzleteil des Ganzen, sozusagen.

Ja, da wird bereits an mehreren Stellen dran gearbeitet, dass Mecklenburg-Vorpommern attraktiver wird. Die Netzwerkevents sind dann sicherlich eine Unterstreichung des Ganzen.

Welche Netzwerke gibt es denn hier noch in Greifswald? Ich kenne Pitchlab und die „Frauen im Digitalen“.

Genau – bei den digitalen Frauen bin ich auch aktiv. Unabhängig voneinander hatten ein paar Frauen in Greifswald gleichzeitig den Gedanken, ein Treffen für Frauen aus der Digitalbranche zu schaffen und haben sich zusammengeschlossen.

Im Technologiezentrum (TZV) gab es vor einiger Zeit noch einen Gründerstammtisch speziell für Gründer. Da bin ich aber gerade in der ‚Endphase‘ dazu gekommen und später hat es leider nicht mehr stattgefunden.

Von der IHK gibt es auch in Neubrandenburg einen Gründerstammtisch, leider aber nicht in Greifswald. Das würde ich ganz schön finden.

Von der Witeno GmbH gibt es jetzt auch noch „Morgenstund“, was einmal im Monat hier im CoWork stattfindet. Da steht auch ein Netzwerkgedanke dahinter, ergänzt mit immer einem bestimmten Thema, welches dort behandelt wird.

Und 12 mins.me gibt es auch noch. Das ist aber eher in Rostock angesiedelt.

Von der IHK gibt es z. B. auch einmal im Jahr die NewKammer-Veranstaltung, wo dann alle Gründer eingeladen werden.

Dann gibt es auch noch einen IT-Stammtisch, der abwechselnd in Greifswald und Stralsund stattfindet..Also – es gibt schon relativ viele spannende Sachen, wo man sich vernetzen kann! Sehr unterschiedlich vom zeitlichen Ansatz, aber man kann schon sehr viel davon mitmachen.

Mann mit Mikrofon

Nochmal zurück zu den Frauen im Digitalen: Trefft ihr euch auch zu einem bestimmten Thema und sprecht darüber bzw. bekommt Informationen zu dem Thema?

Wir treffen uns einmal im Monat und wir haben jeden Mal, ein interessantes Thema, worüber wir uns austauschen. Mal z. B. zum Thema Zeitmanagement, im Sommer haben wir mit einer Fotografin einen coolen Fotowalk. Das war sehr cool und hat viel Spaß gemacht. Also die Treffen sind ganz bunt gestaltet und umfassen alles, was mit unseren Kompetenzen zu tun hat.

Hast du noch andere Anreize für mich, was die Bedeutung der Netzwerke angeht oder was man vielleicht auch machen müsste, vielleicht auch von höheren Instanzen, damit Netzwerke besser gestaltet werden können?

Mir fällt gerade noch das Kreativlab ein, wo ich auch mitmachen durfte. Das hatte hier in Greifswald stattgefunden, weil die Stadt es initiiert hat. Das war echt cool – ich durfte mit unterstützen bei der Facebook-Werbung.

Das erste Treffen ist bombastisch gelaufen! Aber der Beschluss, was für die Kreativen getan werden soll, zieht sich jetzt leider etwas.

Natürlich wäre es schön, von höheren Ebenen Unterstützung zu haben. Die Events sind meistens von Privatpersonen organisiert und wenn man sagt, dass es ja auch einen positiven Effekt für die Stadt oder für das Bundesland hat, könnte uns auch jemand aus diesen Riegen ein bisschen unterstützen. Es muss ja auch nicht immer finanzieller Natur sein.

Die Veranstaltung vom KreativLab, die du meintest, war letztes Jahr im April. Fand das nur einmalig statt? 

Grundsätzlich findet das KreativLab regelmäßig und immer woanders statt. Letztes Jahr war es so, dass die Stadt Greifswald die ansässigen Kreativen kennenlernen wollte und hat dann das KreativLab bzw. Kreative MV dafür ins Boot geholt. In diesem Rahmen fand es nur einmalig statt, bis auf einige kleinere Treffen.

5 Hände, die in der Mitte zusammengeführt werden

Ich war zwischendurch dabei, leider wird es aber nur wenig angenommen. Es sollte auch ursprünglich eine Webseite geben, wo alle Kreativen mit aufgeführt sind – die gibt es aber noch nicht. Der Grund dafür ist aber auch wiederum, dass das Leute machen, die ganz normale Teilnehmer sind und das nebenbei aufbauen. Das ist wirklich schwierig.

Den meisten geht es wahrscheinlich so, dass der Tag 10 Stunden zu wenig hat. Und so etwas nebenbei zu machen, was unbezahlt ist, liegt dann auf der Prioritätenliste leider weiter hinten.
Also unter’m Strich wäre wahrscheinlich doch eine finanzielle Unterstützung das Schönste – wie wahrscheinlich bei allem.

Als ich mit Judith gesprochen habe, meinte sie, dass die Wirtschaftsförderung die Netzwerke auf einer Webseite sichtbar machen will. Das wäre ja schon hilfreich.

Das stimmt – wenigstens die Netzwerke sollten präsent gemacht werden. Aber das setzt voraus, dass die Netzwerke eine Webseite haben, die jemand erstellen und pflegen muss. Pitchlab hat zwar auch eine Website, das Meiste läuft über Facebook.

Mit Pitchlab bespielt ihr auch die Plattformen Facebook und Instagram, oder?

Ja. Bei Instagram gehts gerade erst los, aber wir haben die Hoffnung, dass Pitchlab dadurch lokal noch ein bisschen mehr wahrgenommen wird.

Durch regionale Hashtags bei Instagram kann auch ganz viel Connection untereinander stattfinden.

Wie z. B. #MVLandzumLeben, oder?

Genau, oder z. B.  #MeckPomm. Darüber versuche ich z. B., die Pitchlab-Beiträge noch bekannter zu machen und dann kommen vielleicht mehr Menschen zu den Veranstaltungen.

Ja, das wäre schön. Aber die letzte Pitchlab-Veranstaltung war auch recht gut besucht.

Wir freuen uns, dass wir jedes Mal ein bisschen Wachstum haben.
Die Leute hier sind ja immer eher vorsichtig und müssen erst ein oder zwei Mal gehört haben, dass etwas gut ist, bevor sie es selber ausprobieren und zur Veranstaltung kommen.
Aber Pitchlab hat sich langsam einen Namen gemacht. Es ist ganz schön und es kommen immer wieder neue Gesichter. Darüber freuen wir uns.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg mit dem Netzwerk und bedanke mich für das Interview mit dir!

Danke auch.


 

Anne Pohle im Interview mit Elisabeth Möbius von WEBTIMUM

Besucht doch auch mal eines der nächsten interessanten Events von Pitchlab, profitiert von dem Input der Speaker und lernt inspirierende Persönlichkeiten kennen.

Wir freuen uns auf euch.

Liebe Anne, vielen Dank für dein Interesse an Netzwerken in Mecklenburg-Vorpommern und das spannende Interview. Alles Gute für deine Abschlussarbeit und auf deinem weiteren Weg!

 

2018-09-27T21:51:25+00:00 WEBTIMUM|

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